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dies ist eine alte Webseite. Den aktuellen Tomatenanbau- Lehrgang 2001 finden Sie hier.


Dieser Lehrgang startete am 5.3.2000 und wird regelmäßig erweitert. Termin für die nächste Erweiterung ist immer Samstags Abend. Wer später startet richtet sich einfach nach den Tageszahlen.
I 0.Tag I 7.Tag I 14.Tag I 21.Tag I 28. Tag I 35. Tag I 42. Tag I Rest fehlt leider

Tag -7 ( 1 Woche vor der Aussaat)

Heute (5.3.2000) wird der Tomatenanbau-Lehrgang gestartet. Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich wie viele Fehler man als Anfänger machen kann. Ganz so einfach ist der Anbau von Tomaten und erst recht die erfolgreiche Jungpflanzenerzeugung nämlich wirklich nicht. Es kursieren in Gartenzeitschriften und Gartenbüchern reichlich nutzlose, aber auch gute Tips. Vieles wird leider ungeprüft weitergegeben. Mich erinnert das immer ein wenig an Kapitän Blaubärs Seemansgarn .......Gärtnerlatein. Bei mir finden Sie nur nachgeprüfte Tips & Tricks. Größten Wert lege ich außerdem darauf, daß nur preisgünstige und umweltschonende Verfahren verwendet werden.

Geplanter Tag "Null"; Start ist der 12.3.2000. Früher müssen Sie ganz gewiß nicht starten. Wenn Sie zu früh starten haben sie unter Umständen zum Zeitpunkt der Auspflanzung schon zu große , aber schwache Jungpflanzen. Diese reagieren auf den Standortwechsel, trotz Abhärtung, gerne mit wochenlangen Wachstumsstops. Robuste Tomatenpflanzen bekommt man nur durch zügige Kultur. Sinn macht der Start nur wenn Sie ein Frühbeetkasten oder ein Gewächshaus zur Verfügung haben. Sonst lieber noch 2 Wochen warten.

Wenn Sie den Starttermin versäumt haben sollten, so können Sie ohne Probleme bis Mitte April immer noch starten. Für diesen Fall gebe ich Ihnen besondere Tips zur Beschleunigung des Wachstums.



Heute möchte ich die benötigten Utensilien ansprechen, die Sie sich in der nächsten Woche besorgen müssen. Von besonderem Interesse ist das Wachstumsmedium. Sie können Anzuchterde; Torfquelltöfe; Seramis; feines Hydrogranulat; Perlit; Kokosfaser; Steinwolle; Holzgranulat ........ verwenden. Von Torfquelltöpfen rate ich aus vielen Gründen ab:
  1. speichern zuviel Wasser / Schimmelgefahr
  2. viel zu teuer
  3. durch die Faserstruktur verhaken sich die Fasern sehr stark mit den feinen Wurzeln. Ein wurzelschonendes Pikieren ist kaum mehr möglich.
  4. bei billigeren Torfquelltöpfen sind oft schon von der Herstellung reichlich Schimmelpilze in den Preßlingen enthalten. Beim anfeuchten entwicklen sie verschiedene Gifte, die das Keimen des Saatgutes verhindern.

Hobbythekfans können die bewährte Mischung aus 1 Teil Kokosfasern und 1 Teil scharfem Maurersand anmischen. Leider verhaken sich auch hier die feinen Wurzel etwas mit den Kokosfasern. Einen Pluspunkt bekommt die Kokosfaser aber für die Freiheit von Erdschädlingen und Krankheiten. Sie enthält sogar einen Pilz der eine Verkeimumg mit Schadpilzen verhindert. Auch der Preis stimmt; etwa 5,-DM für 10 Liter fertige Anzuchtmischung sind ok. Achten sie bei der verwendeten Kokosfaser darauf, daß sie nicht gedüngt ist. Ist sie vorgedüngt bitte unbedingt 3....5 mal ausspülen und ausdrücken.

Ich selbst verwende zur Anzucht ausschließlich Perlit, bzw Mischungen Perlit mit Anzuchterde. (Seramis, oder feines Hydrokulturgranulat können als Ersatz dienen)

  1. Perlit ist preisgünstig ~ 16.-DM / 100 Liter
  2. Perlit ist PH neutral
  3. Perlit kann nicht zu feucht werden; ein zuviel an Wasser fließt einfach ab
  4. Perlit läßt genügend Sauerstoff an die Wurzeln
  5. Perlit kennt weder Verpilzung, Verkeimumg noch Schädlingsbefall
  6. Perlit ist ein Naturprodukt (durch hohe Temperaturen aufgeschäumtes vulkanisches Glas)
  7. Perlit ist frei von Nährstoffen

Leider gibt es auch einen Nachteil; Perlit ist immer noch sehr schwer zu bekommen. Auch im letzten Jahr war es wie in den Jahren zuvor. Ohne die freundliche Hilfe des Herstellers Otavi Minen AG wäre es mir kaum gelungen im Gartengroßhandel Perlit (HORTIPERL) zu bekommen. Während in USA und GB der Gebrauch von Perlit zum Standard gehört, schlafen die Deutschen wieder mal. Herr König von der Otavi Minen AG hat mir versprochen im Bedarfsfall behilflich zu sein. Mail: otavi-perlit@otavi.de
Sollten Sie eine eigene Bezugsquelle für Perlit haben, mailen Sie mir bitte unbedingt. Sie helfen vielen Pflanzenfreunden weiter. Ich werde die Adresse sofort veröffentlichen. Es ist wirklich schade, daß derart nützliche Produkte noch so unbekannt sind.

Wer nur kleine Mengen Perlit benötigt, dem helfe ich gegen Erstattung der Portokosten gerne aus. 10 Liter Perlit lassen sich gerade noch als Päckchen verschicken. Die Portokosten betragen also 6,90 DM

Benötigte Utensilien

Transparente Kunststoffschalen mit Deckel / etwa 0,25L Volumen. Je Tomatensorte eine Schale.

(ich habe meine Schalen kostenlos in der Metzgerei bekommen).
schale1-128.jpgschale1-128.jpg
Anzuchtmedium: zB Anzuchterde, Seramis, Perlit oder ein Kokos / Sandgemisch

(Ich verwende
Perlit).
serami02-128.jpg perlit01-128.jpg
Pinzette, um die Samen zu platzieren (damit kein Hautfett, oder Handschweiß übertragen wird). pinzette-250.jpg
Kräftige Nadel zum durchlöchern des Bodens der Kunststoffschalen.  
sieb-300.jpg

Haushaltssieb zum ausspülen des Perlits, oder Seramis. Darf etwas gröber sein damit die Staubanteile des Perlits leicht ausgespült werden können.
sprueher-100.jpgSprühflasche und einige Liter abgekochtes, destilliertes oder entmineralisiertes Wasser. (wegen der Keimfreiheit)
anklicken zeigt vergrößerte Darstellung im extra Fenster in extra Fester

Wenn Sie noch kein Saatgut haben sollten Sie sich jetzt schleunigst darum kümmern.
Wenn Sie Saatgut beim Händler kaufen wollen, schauen Sie sich seine Ware genau an. Oft sind weiter hinten im Gestell Samen mit einem längeren Haltbarkeitstermin gelagert. Solche Samen sind frischer und haben eine bessere Keimfähigkeit. Der Preis ist jedoch gleich. Also keine alten Samen unterjubeln lassen. Tomatensamen die man heute frisch kauft sind bis mindestens 2003 haltbar (3...4 Jahre). Wärme; Feuchtigkeit und Licht (UV-Licht) wirken sterilisierend. Samen immer dunkel, trocken und kühl lagern. Oft sieht man vor Geschäften Drehständer mit Samen in der prallen Sonne stehen. Sonne und Licht haben diese Samen oft schon steril gemacht. Ein Fachgeschäft würde so einen Unfug niemals machen. Machen Sie sich nicht unglücklich. Kaufen Sie solche Samen nicht. Ebenso keine Samen bei denen das Verfallsdatum fehlt. In einigen Geschäften wird Beizmittel zur Samenbehandlung angeboten. Lassen Sie es lieber sein. Durch die haarige Oberfläche der Tomatensamen nehmen diese zuviel Wirkstoff auf. Also Finger weg. Wenn Sie in dieser Richtung experimentieren wollen, versuchen Sie die folgende Methode um den Samen bzw den Keimlingen über die ersten Tage zu helfen: Samen in starken Kamilletee (abgekühlt) ,oder in Knoblauchsaft für einige Stunden einlegen. Das schützt die nächsten Tage gegen Schimmelgefall und die sogenannte Umfallkrankheit. Einige Samen sondern während der Lagerung einen Fettfilm ab. Dieser stört dann die Wasseraufnahme beim Keimprozeß. Kleine Samen nimmt man mit der doppelten Menge scharfem Maurersand in die (trockenen) Hände und reibt sie zwischen den Handflächen. Der Fettfilm wird entfernt und gleichzeitig die Samenoberfläche angekratzt. Die Feuchtigkeit kann jetzt gut eindringen. Bei einem Profigärtner habe ich eine selbstgebaute Maschine hierfür gesehen. Sah aus wie eine kleine Waschmaschine. Für unsere Zwecke wohl etwas übertrieben........

Sollten Sie noch kein Saatgut haben, so finden Sie vielleicht etwas Geeignetes bei den Händlern in meiner
Adressliste, oder aus meiner eigenen Sammlung.


Tag 0 (12.3.2000)

Wenn Sie nicht heute starten wollen, oder können macht das garnichts. Sie haben Zeit bis in den April hinein. Orientieren Sie sich einfach an den Tagesangaben. Vom Tag des Aussaat bis zum auspflanzen der Jungpflanzen dauert es etwa 40...50 Tage. Heute zu starten macht also nur Sinn, wenn Sie über ein Frühbeetkasten oder ein Gewächshaus verfügen.
Ich selbst starte heute übrigens noch nicht. Es fehlen mir noch 12 Sorten Saatgut. Aber wie gesagt, es ist ja noch genügend Zeit.

Heute ist es endlich soweit und es wird ausgesäät. Zunächst sticht man in den Boden der Kunststoffschälchen einige nicht zu kleine Abflußlöcher für überschüssiges Wasser. Je mehr um so besser. Die Kunststoffschälchen nun zu etwa der Hälftee mit feuchtem Perlit (Seramis, oder Anzuchterde) füllen. Da das Perlit, oder Seramis sehr staubig ist bitte vorher gründlich mit Wasser ausspülen. Zuviel Feinstaub führt zum Verschlämmen und damit zu einem zu hohen Wasserhaltevermögen und gesteigerter Schimmelgefahr. Das geht sehr schön in einem groben Küchensieb, oder zur Not mit einem Stück Vorhangstoff. Nicht vergessen zuvor immer die Hände sorgfältig zu waschen. Einerseits wird Hautfett, aber auch Schmutz, Krankheitserreger und Schimmelpilzsporen entfernt. Das gilt auch für alle beteiligten Hilfsmittel.

sprueher-100.jpg

Die Oberfläche mit einem Teelöffel, oder mit einer zweiten Schale glätten und die Samen im Abstand von etwa einem 1DM-Stück verteilen. Durch die gleichmäßige Verteilung kann man später sehr schön sehen wie gut die Keimrate war. Darüber kommt ein weiteres 1/4tel feuchtes Perlit, oder Seramis. Das Ganze wird dann nochmal kraftig mit möglichst karkfreiem, handwarmen Wasser übersprüht. Keine Sorge, wenn sie genügend Abflußlöcher in die Plastikschalen gestochen haben fließt ein zuviel an Wasser einfach ab. (einer der großen Vorteile von Perlit)

schale3-128.jpg

Wenn Sie Anzuchterde oder die Kokosfaser-Sandmischung verwenden bitte nur eine ganz dünne Schicht auftragen, gerade soviel, daß kein Licht mehr an die Samen kommt; Tomaten sind ja Dunkelkeimer. Bei Perlit darf die Schicht ruhig 1cm Stärke haben, da es dem Keimling kaum Schwierigkeiten bereitet selbige zu durchdringen. Bitte nur leicht anfeuchten.

Schlechter sieht es da bei den sogenannten "Torftabletten" aus. Diese bestehen aus langen Fasern, die sich ineinander verhaken und somit einen starken Widerstand für den Keimling bieten. Der arme kleine Kerl verschwendet dann seine ganze Energie um ans Licht zu kommen. Also Finger weg davon. Wenn überhaupt, dann sind diese Torftabletten nur zum Vermehren von Stecklingen geeignet. Meine Mutter hatte 1998 in Torftabletten Feuerbohnen angesäht. Von 50 Samen gingen 2 auf. Beim nachfolgenden Keimversuch in Perlit gingen 100% der Samen auf. Mehr muß ich zu diesem Thema wohl nicht sagen.

Wenn sie unbedingt Anzuchterde verwenden wollen sollten Sie sie unbedingt vorher sterilisieren. Das geht ganz einfach im Elektroherd, oder in der Microwelle. Feuchten Sie die Erde stark an (richtig naß) und erhitzen sie auf etwa 90°C. Nicht höher, sonst zersetzen sich die Inhaltsstoffe. Halten Sie diese Temperatur für 20....30 Minuten. Vorsicht, das riecht ein wenig. Nun sind die allermeisten Schaderreger abgetötet. Hier bringt die Mikrowelle den Vorteil der gleichmäßigeren Erhitzung, leider läßt sich aber keine bestimmte Temperatur einstellen. Gehen Sie so vor, daß sie warten bis die Anzuchterde stark zu dampfen beginnt. Dann einfach die Mikrowelle abschalten und die Anzuchterde bei geschlossener Tür langsam abkühlen lassen.

Das wars schon. Nun nur noch die transparenten Deckel vorsichtig auflegen (nicht zudrücken) und bei 22...26 °C lagern. Der Deckel verhindert die Austrocknung und mögliche Verkeimung von Außen.
Solange die ersten Blättchen (Keim- oder auch Embryoblätter genannt) nicht sichtbar sind wird auch noch kein Licht benötigt. Der Keimvorgang dauert nun etwa 1 Woche. Bei 26°C und frischem Saatgut dauert die Keimung eventuell nur 3...4 Tage, also unbedingt 2 mal täglich kontrollieren.

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Deckel und Schalen sind mit einem wasserfestem Edding-Stift beschriftet.

Wenn Sie nicht über sehr helle Südfenster verfügen, sollten Sie sich jetzt ganz schnell eine geeignete Zusatzbeleuchtung besorgen, oder bauen. Geeignet sind zB. Leuchtstofflampen, bei denen man die Röhre gegen eine Pflanzlichtröhre austauscht. Notfalls gehen aber auch Warmton und / oder Kaltlichtröhren. Auch hervorragent geeignet sind die neuen Vollspektrum Tageslichtröhren.

Im fast allen Baumärkten gibt es zB. 1,20Meter Leuchtstofflampenhalter für Feuchträume (komplett geschlossen) incl. Leuchtmittel für 18....25,-DM. Bei dieser Lampe sollte (muss aber nicht unbedingt) die Röhre gegen eine Pflanzlichtröhre ausgetauscht werden. Das kostet nochmal etwa 12.-DM. Ich empfehle die Planzlichtröhren von Phillips (Standard 54; Pflanzenlicht 120cm / 36Watt 12,50DM) mit einem hellweißem, leicht blaustichigem Farbspektrum. Die rosafarben abstrahlenden Pflanzleuchten sind für die Anzucht nicht geeignet, ebenso alle sonstigen Pflanzenlampen mit normalen, oder gar Halogenbirnen. Stromsparlampen sind durchaus auch geeignet. Die bei einigen Profigärtnern verwendeten 400....1000 Watt Metalldampf- Hochdrucklampen sind völlig überdimensioniert; in Anschaffung und Betrieb viel zu teuer. Mit einer solchen 400 Watt Lampe lassen sich wegen des sehr guten Wirkungsgrades ( 60.000 Lumen Lichtleistung bei 400 Watt im Vergleich zu 1500 Lumen bei einer 32 Watt Leuchtstofflampe) leicht 4 ... 6 Quadratmeter Fläche mit Tomatenjungpflanzen beleuchten. Auf dieser Fläche könnte man etwa 1200 Jungpflanzen............. ;o)
Was zuviel ist ist zuviel.....

Für Aquarien und Terrarien gibt es Natriumdampf Hochdrucklampen auch schon ab 75....100....150....250 Watt. Sie sind wegen des Farbspektrums und sehr guten Wirkungsgrades besonders geeignet, aber mit Preisen um die 300.-DM viel zu teuer für unsere Zwecke.

Bleiben sie also bei Leuchtstofflampen. Von einem Elektriker lassen Sie sich Kabel mit Schuko-Stecker montieren. Machen Sie Arbeiten an elektrischen Geräten auf keinen Fall selbst, besonders deshalb nicht, weil wir es ja mit hoher Luftfeuchtigkeit und Spritzwasser zu tun haben. Verwenden Sie einen FI-Schutzschalter mit geringem Auslösestrom. (gibts auch als Steckdosenleiste)

Sie können die Lampe mit dünnen Ketten an der Decke, oder einem Regal aufhängen. So läßt sich die Höhe zu den Tomatenkeimlingen bequem einstellen. Da Leuchtstofflampen kaum Wärme abgeben kann man bis zu etwa 5cm an die Keimlinge rangehen. Das bringt sehr viel, da die Helligkeit ja im Quadrat sinkt. Bei doppeltem Abstand käme also nur ein viertel des Lichtes an. Wir benötigen jedes bischen Licht, daß wir bekommen können! Licht und nicht Wärme! Es ist somit von Vorteil rundum seitlich helle Flächen zu haben um auch dieses Licht zu nutzen. Am einfachsten sie besorgen sich weiße Kunststofffolie, oder weiß beschichtete Spanplatten. Sehr schön funktioniert auch die für 3...5,-DM recht günstigen Rettungsfolien. Verwendet wird die silberfarbige Seite. Um eine bessere Streuwirkung zu erzielen kann man Sie heftig zusammenknüllen und dann wieder auseinanderfalten. Die Montage kann mit einem Tacker (Heftklammerer) oder auch mit doppelseitigem Klebeband erfolgen.

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Ich verwende selbstgebaute Alurahmen auf die jeweils 4 Stück 32 Watt Leuchtstofflampen (1,2m Länge) montiert sind. Da die verwendeten Pflanzenlampen schnell gegen Normale ausgetauscht werden können ist die Konstruktion außerhalb der Pflanzzeit auch prima für abendliche Reparaturen am / im Haus verwendbar. Wer nur einige wenige Pflänzchen anziehen möchte kann auch einfach eine 20 Watt Stromsparlampe in eine Schreibtischlampe eindrehen. Man könnte auch unter der Leuchtstofflampe an der Zimmerdecke eine Gondel montieren und die Keimlinge dort unterbringen.
Nach langer Suche habe ich bei
Conrad Electronic Stromsparlampen mit integriertem Reflektor entdeckt. Für 20.-DM wäre das eine Lösung für maximal 4 Jungpflanzen.

Tag 7 (19.3.2000)

Wenn Sie nicht heute starten wollen, oder können macht das garnichts. Sie haben Zeit bis in den April hinein. Orientieren Sie sich einfach an den Tagesangaben. Vom Tag des Aussaat bis zum auspflanzen der Jungpflanzen dauert es etwa 40...50 Tage. Heute zu starten macht also nur Sinn, wenn Sie über ein Frühbeetkasten oder ein Gewächshaus verfügen.

Wenn Sie bisher keine Fehler gemacht haben müßten Heute eigentlich die ersten Keimlinge zu sehen sein. Zu sehen sind kleine runde Blätter, die noch garnicht wie Tomatenblätter aussehen. Das ist aber ganz normal, denn zuerst erscheinen die sogenannten Keimblätter.

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gute Keimlinge


Ab sofort müssen Sie für etwa 12 Stunden am Tag kräftiges Zusatzlicht geben damit die Keimlinge nicht vergeilen. Gemeint ist damit, daß sich keine dünne, glasige, instabile Stengel bilden weil der Keimling verzweifelt versucht in Richtung der stärksten Lichtquelle zu wachsen. Entweder der Keimling fällt irgendwann um, oder es wird zumindest keine kräftige, kompakte Tomatenpflanze aus ihm.

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vergeilte Keimlinge
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Wenn Ihnen dies Mißgeschick passiert ist werfen sie die Keimlinge weg und starten erneut. Notfalls, zB weil es sich um ganz seltenes Saatgut handelte, können Sie auch versuchen den kleinen Kerl mit einem Zahnstocher zu stützen und Perlit bis knapp unter die Keimblätter nachschütten. Es entwickeln sich dann zusätzliche Wurzeln.

Sie sollten jetzt die Deckel wegnehmen und täglich 2mal die Feuchtigkeit des Anzuchtmediums prüfen. Wenn die oberen Perlitkörnchen locker werden ist es Zeit mit einer Sprühflasche für Feuchtigkeit zu sorgen. Keine Angst, in diesem Stadium dürfen die Tomatenblätter ruhig naß werden.

Da ich mit meinen etwa 600 Keimlingen mit dieser Methode zuviel Zeit benötigen würde arbeite ich nach einem anderen System. Ich habe in alle Kunststoffschälchen ausreichend viele und große Abzugslöcher in Boden und untere Seitenwand gestanzt. Die Kunststoffschälchen (in diesem Jahr freundlicherweiße von der Metzgerei Höhl in Griesheim/DA zur Verfügung gestellt) stehen in großen flachen stabilen Schalen. Zum Wässern fülle ich die Schalen mit etwa 3...4cm lauwarmen Wasser, weches über einen dünnen Schlauch in einen Eimer abfließt. Im Prinzip also ein einfaches Ebb & Flow-System. Ganz wichtig ist hier, daß das Perlit gut ausgespült und die Staubanteile entfernt wurden.

Ab sofort etwa 12 Stunden Zusatzlicht geben, oder wenigstens ans Südfenster bzw Südwestfenster stellen. Wer mit seinen Tomaten sehr spät dran ist kann auch zur Wachstumsbeschleunigung 24 Stunden Zusatzlicht geben. Tomaten und Paprika vertragen das problemlos. Bei anderen Pflanzen mag es auch nicht funktionieren, weil sie etwa auf ihren Tag & Nachtrhythmus angewiesen sind. Bis zu einem gewissen Grad hilft in diesem Fall auch eine Verstärkung des Lichtes. Je mehr Licht, desto mehr Fotosynthese, desto mehr Wachstum. Mehr als 10.000......15.000 Lux können im Keimlingsstadium aber noch nicht umgesetzt werden.

Sorgen Sie mehrmals am Tag für Luftbewegung (die Keimlinge sollen sich bewegen, aber nicht abbrechen) zB mit einem Ventillator. Das sorgt für kompakters Wachstum und festere Stengel. Jede Bewegung der Stengel führt zu Microverletzungen die von der Pflanze durch das Wachtum neuer Zellen repariert werden. Mit der Zeit wird der Stengel dicker und fester.

In der nächsten Woche besorgen Sie sich bitte eine kleine Menge Flüssigdünger, die Keimlinge benötigen bald Nährstoffe. Geeignet sind zb. Algoflash Hydrokulur; Algoflash Universal; Algoflash Tomate; Seramis für Grünpflanzen.......................
Sobald die ersten richtigen Blättchen erscheinen geben sie etwas Düngelösung. Mischen Sie den Dünger 10fach schwächer an, als auf der Verpackung angegeben. Das reicht unseren Keimlingen. Am leichtesten läßt sich die benötigte Düngermenge mit einer Spritze aus der Apotheke entnehmen. Durch die aufgedruckte Maßskala kann man die entnommene Menge einfach ablesen.
Sollten Sie bei den Dünger eine größere Auswahl haben wählen Sie den Dünger mit dem niedrigsten Stickstoffgehalt.

( Wenn Sie mit Keimerde, bzw Anzuchterde arbeiten ist dies nicht nötig )

14. Tag (26.3.2000)

Wenn Sie nicht heute starten wollen, oder können macht das garnichts. Sie haben Zeit bis in den April hinein. Orientieren Sie sich einfach an den Tagesangaben. Vom Tag des Aussaat bis zum auspflanzen der Jungpflanzen dauert es etwa 40...50 Tage. Heute zu starten macht also nur Sinn, wenn Sie über ein Frühbeetkasten oder ein Gewächshaus verfügen.

Alle Sorten haben gekeimt, sogar die 5 Jahre alten Samen aus Australien. Bei etwa 50% zeigen sich schon die ersten richtigen Blättchen. Man siegt sehr schön, ob die zukünftigen Tomatenpflanzen "normale" oder kartoffelartige Blätter bekommen werden.

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In etwa einer Woche kann pikiert werden. Zeit nach geeigneten Behältnissen für die Jungpflänzchen zu suchen. Eine gewisse Größe sollte schon vorhanden sein, schließlich soll bis zur endgültigen Auspflanzung im Mai nicht mehr umgetopft werden. Geeignet sind alle Behälter mit Volumen ab etwa 250ml. Die Farbe spielt keine Rolle, auch transparente Behälter sind ok. Wer kein Geld ausgeben kann, oder möchte kann ja mal bei seinem Metzger nachfragen. Dort gibt es für Kartoffel-, oder Fleischsalat gedachte hohe 0,5Liter Kunststoffschalen. Oder wie wärs mit größeren Joghurt / Quarkbechern? Im Profigartenhandel gibt es auch rechteckige, schwwarze Behälter, sogenannte Tekus ( Abbildung rechts ). Die haben schon Abflußlöcher; sind sehr robust; sind immer wieder verwendbar; es gibt sie in vielen Größen und sie kosten nur ein paar Pfennige. Für uns ist die Größe 7*7*8cm; 8*8*9cm; oder 9*9*11cm geeignet. Durch die viereckige Form wird die zur Verfügung stehende Fläche besser ausgenutzt.

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Mit der richtigen Nährlösung kann in Perlit bis zum Mai weitergearbeitet werden. Wer nicht komplett in Perlit anziehen möchte muß sich nun Blumenerde; Anzuchterde und / oder Kokosfasern (gibts als Block für etwa 3,-DM) kaufen.
Tip:
Wenn Sie mit Perlit oder Seramis arbeiten und eine leichte Nährlösung verwenden ist es sehr wichtig, daß sie immer reichlich gießen. Es muß unbedingt wieder Nährlösung unten aus den Behältern austreten. Der Grund ist recht einfach: Solange die Keimlinge noch klein sind nehmen sie noch nicht viel Nährstoffe auf, das Wasser aber schon. Außerdem verdunstet ja auch Wasser, nicht aber die darin gelösten Nährstoffe. Es würde somit zu einer Aufkonzentration der Nährstoffe kommen. Das machen unsere Keimlinge aber nicht allzulange mit. Wenn die Unterseiten der Keimlinge lila verfärbt sind ist das ein untrügliches Zeichen für eine starke Überdüngung. Gießen sie also lieber reichlich mit einer schwachen Nährlösung und spülen das Perlit dabei regelrecht durch. Nun kann sich eine erhöhte Nährstoffkonzentration erst garnicht mehr bilden. Die durchgelaufene Flüßigkeit bitte aus hygienischen Gründen nicht nochmal verwenden. Gießen sie damit ihre Blumen.

Zum Pikieren (am 21. Tag) benötigen wir einen Pikierstab und eventuell ein Skalpell.



Als Pikierstab können Sie zur Not auch einen alten Kugelschreiber verwenden. Entfernen Sie aber bitte die Mine, damit keine Tinte abgegeben werden kann.


Tip:
Sollte in den nächsten Tagen die Sonne kräftig scheinen müssen Sie Ihre Südfenster etwas schattieren, oder die Keimlinge über die Mittagszeit an Ost- bzw Westfenster umstellen. Die Wärme ist sonst zuviel für die Kleinen. Um die Verdunstung zu reduzieren kann man eine zweite transpatente Plastikschale umgekehrt auflegen. Das verdunstende Wasser kondensiert und fließt wieder in die Keimschale zurück. Ansonsten das Perlit immer leicht feucht halten. Gelegentliches einnebeln der Keimlinge mit einem Pflanzensprüher und weichem Wasser ist vorteilhaft. Streichen Sie mit ihren (sauber gewaschenen) Händen vorsichtig über die Keimlinge. Auch diese Maßnahme fördert nachweisbar kompakten und kräftigen Wuchs.

21. Tag (2.4.2000)

Wenn Sie nicht heute starten wollen, oder können macht das garnichts. Sie haben Zeit bis in den April hinein. Orientieren Sie sich einfach an den Tagesangaben. Vom Tag des Aussaat bis zum auspflanzen der Jungpflanzen dauert es etwa 40...50 Tage. Heute zu starten macht also nur Sinn, wenn Sie über ein Frühbeetkasten oder ein Gewächshaus verfügen.

Alle Sorten haben mittlerweile mindestens ein paar richtige Blättchen gebildet und sind jetzt etwa 2...4cm hoch. Die Blätter sind dunkelgrün und die Stengel kurz, fest und robust.

Sind Ihre Keimlinge eher blaßgrün und haben einen langen dürren glasigen Stengel, hatten sie zuwenig Licht und / oder die Temperatur war viel zu hoch. Wenn Ihnen sowas passieren sollte, Ruhe bewahren. Es gibt noch eine letzte Rettung. Pikieren Sie bis knapp unter die Blättchen, das stabilisiert die Keimlinge und sie können zusätzliche Wurzeln bilden.

Da es noch nicht zu spät ist rate ich aber eher zur erneuten Aussaat. Aus den dürren Keimlingen wird nichts Gescheites werden. Bei uns hier in Südhessen sagt man: Loss döss soi, döss hodd kahn Sinn. Des gibbt nur Krakke.

Machen Sie sich nichts daraus, mir ging das am Anfang auch mal so. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen......

Wenn Alles ok ist können wir jetzt pikieren. Zu diesem Zweck benötigen wir einen Pikierstab und eventuell ein sterilisiertes Skalpell.


Als Pikierstab können Sie zur Not auch einen alten Kugelschreiber verwenden. Entfernen Sie aber bitte die Mine, damit keine Tinte abgegeben werden kann.

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Schauen wir uns nun die Keimlinge genauer an. Alle kurz und robust gewachsenen Keimlinge sind zum pikieren geeignet. Wenn eine größere Menge Keimlinge zur Verfügung steht, suchen wir uns zusätzlich Diejenigen mit dem stärksten Wurzelwachstum aus. Je kräftiger das Wurzelwerk des Keimlings ist, desto robuster wird die spätere Tomatenpflanze werden. Ich lasse darum immer 10....20 mal so viel Samen (wenn vorhanden) keimen, als eigentlich benötigt werden.

Tip:
Wer zuwenig Licht zur Verfügung hatte bekahm nur lange dürre Keimlinge. Zur Not kann man Diese ganz tief einpflanzen um die Pflanze einerseits zu stabilisieren und andererseits zusätzliches Wurzelwachstum zu erreichen. Besonders gute Tomatenpflanzen gibt das aber nicht mehr.

Das Pikieren selbst ist eigentlich ganz einfach. Nehmen Sie den gewünschten Keimling vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und ziehen ihn vorsichtig aus dem Perlit herraus. Bei Perlit, oder auch Seramis geht das ohne Probleme. Wenn Sie Anzuchterde verwendet haben müssen Sie etwas um den Keimling freipulen, damit beim herrausziehen nicht alle Wurzeln abreißen. Durch den hohen Anteil an Hochmoortorf, oder Kokosfaser verhakt sich das Keimmedium leider stark ineinander. Wie schon gesagt, ich empfehle zum Ankeimen Perlit, oder Seramis. Kürzen Sie die Wurzeln auf etwa 20mm ein. Wer Gefühl hat zupft die Wurzeln einfach zurecht. Wer sich nicht so sicher ist verwendet ein Skalpell. Sinn dieser Aktion ist es die Wurzelbildung stark anzuregen. Verwenden Sie nur Keimlinge mit kräftigen, hellen Wurzeln. Dunkle Wurzeln deuten auf Fäulnis hin. Die Methode mit dem "zupfen" ist die Sichere, da keine Krankheitsheime von Pflanze zu Pflanze verschleppt werden können.

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Wenn zuviele Perlitkörnchen anhängen einfach abschütteln Kürzen Sie die Wurzeln auf etwa 20mm ein
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Als Wachstumsmedium für die Zeit bis zum endgültigen Auspflanzen verwende ich selbst eine Mischung aus 3 Teilen gesiebtes grobes Perlit ; 3 Teilen Anzuchterde und 1 Teil Kokosfasern. Durch den hohen Anteil Perlit verzeiht diese Mischung ein zuviel an Gießwasser. Die Kokosfaser sorgt für Stabilität und die Anzuchterde für eine Pufferung der Nährstoffe. Füllen Sie die Mischung locker in die Planzbehälter und streifen sie überstehendes Material ab.

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Mit dem Pikierstab stellen wir nun ein Loch her. Die Tiefe richtet sich nach den Keimlingen. Die spätere Erdoberfläche soll die Keimblätter gerade berühren. Der Durchmesser muß etwas größer als das Wurzelwerk sein.

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Setzen Sie nun den Keimling in das Loch und drücken die Erdmischung von allen Richtungen gleichzeitig zusammen. Vorsicht, der Keimling ist recht empfindlich. Am Besten geht das, wenn Sie mit 4 Fingern gleichzeitig in die Erdmischung eintauchen. Wie Überall gilt: Übung macht den Meister. Anschließend mit temperiertem Wasser übersprühen. Aber bitte nicht ersäufen. Erfahrungsgemäß sterben viel mehr Pflanzen an zuviel Wasser, als an zuwenig.

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In weiteren 21.......28 Tagen kann ausgepflanzt werden. Wer etwas spät dran ist, kann Zeit aufholen indem er die Zusatzbeleuchtung 24 Stunden brennen läßt. Tomatenkeimlinge (auch Paprika) vertragen das ohne Probleme. Ab sofort nur noch leicht feucht halten und nach etwa 3...4 Tagen Schonzeit die Umgebungstemperatur auf etwa 18°C absenken. Das sorgt für kompaktere Pflanzen. Zuviel Wärme führt nämlich ebenso zum Vergeilen, wie zuwenig Licht oder zuviel Stickstoffanteil im Dünger.

Ansonsten gilt: Je mehr Licht, desto bessere und kompaktere Tomatenpflanzen. Meine Tomatenkeimlinge bekommen mindestens ~ 6000......9000 Lux


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So sah das 1999 bei mir aus: Links sieht man eine von 8 Pflanzschalen; rechts sieht man einige Pflanzschalen unter Zusatzbeleuchtung. Für je 3 Pflanzschalen steht eine Beleuchtung mit 4 mal 32 Watt (1,2m Röhren) zur Verfügung. Bei etwa 5cm Abstand zu den Pflänzchen stehen etwa 9000 Lux auf der ganzen Fläche zur Verfügung.


Tip:
Jetzt müssen Sie nur noch jeden Tag prüfen, daß alle Tomatenpflänzchen genügend Feuchtigkeit haben. Die oberste Erdschicht sollte gerade trocken werden, bis man wieder ein wenig gießt. Man erkennt dies ganz leicht durch eine Farbänderung bei Erde und Kokosfasern von dunkel- in hellbraun. Bei Anzucht in reinem Perlit erkennt man diesen Zustand daran, daß die oberste Schicht locker wird und sich wegblasen läßt.
Tip:
Streichen Sie jeden Tag mit der flachen Hand über die Jungpflanzen und berühren dabei vorsichtig die Blättchen. Nein, keine Angst, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen! Davon bin ich weit entfernt. Sinn dieser Aktion ist die in Innenräumen nicht vorhandene Windbewegung zu simmulieren. Auf diese Art "behandelte" Pflanzen werden viel robuster und wachsen besser. Ich habe in Versuchen bis zu 25% stärkere Stengel beobachten können. Die Tomaten wuchsen noch kompakter als sonst.


28. Tag (9.4.2000)

Wenn Sie mitte Mai auspflanzen wollen müssen Sie heute starten. Beginnen Sie bei " Tag O" (Ich habe heute gestartet. Ein Woche später als ich eigentlich vorhatte, aber es reicht noch für den geplanten Auspflanztermin ~ 15.5.2000)

Diese Woche ist nicht viel zu tun. Bis zum Auspflanzen ist noch einige Zeit , die Pflänzchen müssen erstmal wachsen. Halten Sie das Wachstumsmedium nur leicht feucht. Ist das Medium zu naß sieht die Pflanze gar keinen Grund neue, oder mehr Wurzeln zu bilden. Versuchen Sie die Temperatur unter 19°C zu halten damit die Kleinen nicht zu schnell wachsen. Nur langsames Wachstum erbringt rubuste und kompakte Pflanzen. Ich kenne einige Tomatenfreunde die schon ende Februar starten, ohne Zusatzbeleuchtung arbeiten und es durch gute Temperaturführung dennoch schaffen superkompakte und urkräftige Jungpflanzen zu bekommen.


Tip:
In dieser Jahreszeit gibt es oft schon einige schöne und sonnige Tage mit Temperaturen über 15°C. Das ist eine prima Gelegenheit unsere Jungpflanzen abzuhärten. Direktes Sonnenlicht und Zugluft muß aber unbedingt verhindert werden. Gegen die Zugluft hilft ein Pappkarton, gegen direktes Sonnenlicht abschatten mit matter Kunststoffolie; Pergamentpapier oder ein anderer Standort. Bastler und erfindungsreiche Menschen haben hier (wie immer) Vorteile.... ;o)
Ich habe just for fun Heute mal die Helligkeit gemessen: In der Sonne waren es bis zu 50.000 Lux und im diffusen Schatten immerhinn noch bis zu 15.000 Lux.
Tip:
Wer nach dem Pikieren mit reinem Perlit weitergearbeitet hat kann nun die Kozentration der Düngelösung etwas anheben. Bevorzugen sie Flüßigdünger mit niedrigem Stickstoff und hohem Phospor und Kaliumgehalt. Im Fachhandel gibt es zB. von ALGOFLASH einen flüßigen Tomatendünger mit einem NPK-Wert von 4-6-8 plus Spurenelemente. 1L reicht für 300 Liter Gießwasser. Für unsere Tomatenjungpflanzen reicht ein Viertel der angegebenen Konzentration bequem aus. Nicht vergessen; es gilt die Grundregel: Viel bringt nicht viel ! Wenig ist mehr ! (genau wie beim Wässern) Vermeiden Sie unbedingt eine Überdüngung der Jungpflanzen. Wenn die Unterseiten der Blätter lilafarben werden ist es bereits zu spät und alle Arbeit war umsonst.

Wer mit Anzuchterde gearbeitet hat kann etwas "Algan" (NEUDORFF), ein Pflanzenkräftigungsmittel auf Algenbasis geben.


35. Tag (16.4.2000)

Für die Anzucht aus Samen und den üblichen Auspflanztermin nach den Eisheiligen, mitte Mai ist es nun zu spät. Die Temperatur ist in den nächsten Wochen schon recht hoch und führt zu dürren, langgestreckten und schwachen Jungpflanzen. Sie sollten jetzt nur noch starten, wenn sie über einen bis Anfang Juni um die 18°C kühlen Raum und eine gute Zusatzbeleuchtung verfügen. Das nötige Zusatzwissen werde ich in der Rubrik Know How vermitteln. Allen Anderen empfehle ich den Kauf von Jungpflanzen nach den Eisheiligen, mitte Mai. Mittlerweile gibt es sogar einige Anbieter, die Jungpflanzen von "alten Sorten" anbieten. Adressen von Lieferanten für Jungpflanzen finden Sie in meiner Adressliste.

Diese Woche ist wieder nicht viel zu tun. Halten sie die Jungpflanzen nur leicht feucht um das Wurzelwachstum weiter anzuregen. Wenn die Anzuchterde zu feucht ist sieht die Pflanze gar keinen Grund ein stark verzweigtes Wurzelwerk zu bilden. Wir benötigen aber unbedingt ein möglichst stark entwickeltes Wurzelwerk um nach dem Auspflanzen genügend Nährstoffe für ein schnelles Wachstum zu liefern.


Wenn es das Wetter zuläßt sollten die Jungpflanzen sooft und solange wie möglich nach Draußen gestellt werden. Abgehärtete Pflanzen sind später viel weniger Anfällig gegen Krankheiten.

42. Tag (23.4.2000)

Die Jungpflanzen sollten nun etwa 15....20cm hoch sein und kräftige, Bleistiftdicke Stengel und dunkelgrüne Blätter haben.

Für diese Woche gilt das Gleiche wie für die letzte Woche. Ganz wenig düngen. Nur mäßig feucht halten. Bei jeder Gelegenheit die Jungpflanzen nach Draußen bringen. Steigern Sie die Dauer von Tag zu Tag. Die Jungpflanzen dürfen nun für kurze Zeit auch schonmal direktes Sonnenlicht bekommen.
Aber nicht übertreiben. Tomaten können wie wir Menschen Sonnenbrand bekommen. Für die Tomate heißt das, daß Teile oder auch ganze Blätter plötzlich weiß werden und vertrocknen. Sind die betroffenen Flächen zu groß stirbt die Pflanze ab. Wenn Sie die Jungpflanzen langsam an das Licht- und Wärmeangebot gewöhnen passiert ihnen das nicht.
Wenn Sie ein Gewächshaus haben können Sie die Jungpflanzen in der nächsten Woche auspflanzen. Der Boden sollte aber Nachts nicht kälter als etwa 15°C werden. Überprüfen Sie unbedingt die Lüftungsklappen des Gewächshauses auf einwandfreie Funktion. Am Besten sind hier die automatischen Lüftungsklappen, die bei 20°C automatisch öffnen. Bei starkem Sonnenlicht entsteht sonst innerhalb weniger Minuten ein Brutschrankklima mit 30°C und mehr. Die automatischen Lüftungsklappen funktionieren rein mechanisch mittels eines Bimetallstreifens. Man nutzt die unterschiedliche Ausdehnung verschiedener Metalle bei Erwärmung aus.
Wenn Sie ins Freiland auspflanzen wollen, sollten Sie unbedingt bis nach den Eisheiligen (mitte Mai) warten. Tomaten sind empfindlich gegen Nachtfröste.
Wer, so wie ich, im Kübel anbaut kann wenn genügend Platz vorhanden ist ebenfalls schon auspflanzen. Wenn man große Fensterfronten hat bekommen die Tomaten dort ihr Plätzchen. Wenn nicht kann man sich mit ein paar Holzlatten und Kunststoffolie auch ein behelfsmäßiges Gewächshaus bauen. Bewährt haben sich hier die eigentlich zu Verpackungszwecken gedachten Luftnoppenfolien. Die Holzlatten kann man mit Blechwinkeln und Spaxschrauben verbinden. Die Folie wird einfach aufgetackert. Kleine Stücke Gewebeklebeband unter den Heftklammern verhindern zuverlässig ein ausreißen der Folie. Wenn die Temperatur in unserem Einfachgewächshaus Nachts unter 15°C fällt muß geheizt werden. Die einfachste Möglichkeit ist einen , oder mehrere 10 Liter Wassereimer mit heißem Wasser gefüllt aufzustellen.
Für den Kübelanbau sind Behältnisse mit Volumen von 5 .... 20 Liter geeignet. 5 Liter sind etwas zu wenig. Es muß mehrmals am Tag gegossen werden und eine rein biologische Düngung ist nicht möglich, weil es an Volumen fehlt. 10 Liter sind ein gutes Maß. Biologisches Düngen ist möglich. 20 Liter sind Luxus, weil ein so großes Volumen zwar zu mehr Blattmasse, aber nur zu wenig mehr Ertrag führt.
Ich selbst pflanze meine Tomaten; Paprika und Chili in schwarzen 12 Liter Kunststoffkübeln an. Letztes Jahr hatte ich 72 Stück im Einsatz.
Achten Sie beim Kauf von Kunststoffkübeln unbedingt darauf daß "frischer" Kunststoff und nicht etwa Recyclingmaterial verwendet wurde. Wir wollen uns ja schließlich nicht vergiften. Die aus Recyclingmaterial hergestellten Kübel sind allenfalls für Blumenbottiche geeignet. Erkennen können sie das Vorhandensein von billigem Recyclingmaterial durch den leichten Brandgeruch der ihm meist anhaftet.
Im Kübel sollten reichlich Abzuglöcher für das Gießwasser vorhanden sein. Die unteren 2...3cm werden mit Tonscherben; grobem Kieß oder Ähnlichem gefüllt. Aus Gewichtsgründen verwende ich grobes Hydrogrannulat. Nicht die billigste Lösung, aber durch das zusätzliche Wasserspeichervermögen einer der Besten. Dann kommt ein Blatt Zeitungspapier. Es vermeidet die Verschmutzung des Hydrogrannulates. Darauf kommt dann das gewünschte Wachstumsmedium. Ich verwende sehr erfolgreich eine Mischung aus 20 ... 25% Perlit und 75 ... 80% gute Komposterde der ich reichlich Urgesteinsmehl beigegeben habe.
Da wir biologisch anbauen wollen sind wir auf die Hilfe der vielen Bodenorganismen angewiesen. Erst sie machen die in der Komposterde vorhandenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar. Es ist also eine gute Idee die Pflanzkübel schon 1 ... 2 Wochen vor dem Auspflanztermin aufzustellen. In dieser Zeit können die Mikroorganismen sich vermehren und Nährstoffe verfügbar machen. Schwarze Kunststoffkübel erwärmen sich schneller und erleichtern den Mikroorganismen ihre Arbeit.
Achten sie beim Auspflanzen der Jungpflanzen darauf, daß die untersten Blätter knapp über der Erde sind. Die Keimblätter dürfen ruhig im Boden verschwinden. Haben sie sehr hohe Jungpflanzen zur Verfügung, entfernen sie die unteren Blätter und pflanzen sie schräg ein. Bei den Tomaten sind die Pflanzenzellen im Stengel nicht 100%tig in ihrer Funktion festgelegt und bilden schnell Wurzeln sobald sie mit Erde abgedeckt werden. Das schräge Einpflanzen ist auch ein beliebter Trick zu einem großen, straken Wurzelwerk zu kommen.

Tip:
In den letzten Jahren tritt die Braun und Krautfäule immer früher auf. Während vor 5 ... 10 Jahren der Befall meist erst zum Kulturende auftrat gibt es heute oft schon im Juni die ersten Symptome.

Zum Thema Braun und Krautfäule wird besonders viel Gärtnerlatein (Unsinn) verbreitet. Jeder neue Unsinn ergibt wieder einen Artikel in einer Gärtnerzeitschrift. Aus Diesem Grund ein paar Fakten:
1: Die Braun und Krautfäule tritt immer früher auf, weil die Landwirte durch neue Anbaumethoden auch immer mit der Kultur von Frühkartoffeln beginnen.
2: Befallene Kartoffelkulturen liefern rießige Mengen an Pilzsporen die über viele Kilometer mit dem Wind verteilt werden.
3: Bei der Braun & Krautfäule handelt es sich um eine Pilzkrankheit. Ausbrechen kann die Krankheit nur, wenn die Tomatenpflanze länger als 1,5...2 Tage naß ist. Ist der Zeitraum kürzer können sich die Pilze nicht aus den Sporen entwickeln und gehen zugrunde.
4: Befallene Blätter müssen sofort entfernt werden, weil sie sonst selbst zu Sporenproduzenten werden und die gesamte Pflanze anstecken.
5: Alle Biologischen Spritzungen sind sinnlos. Besonders so alberne Dinge wie Spritzungen mit Sauermilch bringen eher gegenteilige Wirkungen zustande. Ist ja auch eigentlich logisch. Nach den Spritzungen mit Sauermilch verbleiben Reste auf der Blattoberfläche die Feuchtigkeit besonders lange speichern. Die in Sauermilch enthaltene Milchsäure hat jedenfalls keine positive Wirkung. Ebenso unsinnig sind in den Boden gesteckte Kupfernägel; um den Stengel gewickelter Kupferdraht und ähnlicher Unfug. Einzig sinnvoll ist die regelmäßige Gabe von Schachtelhalmsud. Durch die enthaltenen Mineralien kann die Tomatenpflanze festere Zellhüllen aufbauen, was einen gewissen Schutz gegen Krankheitserrerger bietet. Sparen sie sich den ganzen Unsinn und sorgen lieber dafür, daß die Tomatenpflanze nicht naß wird bzw möglichst schnell abtrocknen kann.
6: Durchaus Wirkung zeigen Spritzungen mit Kupfersalzen. Allerdings ist Kupfer ein Schwermetall und die Spritzung kann zu einem mehrwöchigem Wachstumsstop führen. Ich rate davon ab.
7: Es gibt ein eigentlich für Obstbäume gedachtes Spritzmittel welches auch Wirkung bei der Braun & Krautfäule zeigt. Da ich meine Tomaten biologisch anbaue kommt für mich so etwas nicht in Frage. Aus diesem Grund nenne ich auch nicht den Namen des Mittels.

Aus diesen Fakten ergibt sich nur eine logische Schlußfolgerung:
Die Tomaten müssen trocken bleiben. Es darf nicht auf sie regnen, weil der Regen ja die Pilzsporen aus der Luft auswäscht und so überhaupt erst auf die Blätter bringt. Beim Gießen darf kein Wasser hochspritzen, weil auch auf dem Boden viele Pilzsporen sind. Gewächshäuser müssen stets gut gelüftet sein, damit die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark ansteigt. Plastikhauben für Tomaten taugen nichts, da sich Schwitzwasser bildet.

Die Lösung für all diese Probleme ist ein "Tomatendach". Das Tomatendach kann aus ein paar Holzlatten und Plastikfolie leicht selbst gebaut werden. Unter dem Dach sollte man bequem laufen können; bitte rechnen sie mit etwa 2 Meter Höhe an der höchsten Stelle. Zu den Rändern sollte ein Gefälle von mindestens 10cm auf 1 Meter Länge vorhanden sein. Ablaufendes Wasser muß so abgeleitet werden, daß es nicht an die Pflanzen spritzen kann. In Richtung der Wetterseite kann auch die Seitenfläche mit Folie geschlossen werden. Das Dach sollte seitlich der Pflanzen etwa 1m überstehen, damit auch bei Wind keine Regentropfen auf die Blätter fallen können.

Der Rest ist leider durch einen Computercrash verlorengegangen, wird aber in 2001 neu geschrieben.

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